
Praxis
Schmutzige Kleidung beim Campen
Nach fünf Tagen ist der Wäschesack voll, und der nächste Platz mit Waschmaschine liegt zwei Etappen weiter. Es gibt drei Wege daraus, und keiner davon ist die Handwäsche im Spülbecken.
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Wäsche ist auf einer längeren Wohnmobilreise das erste Problem, das sich nicht durch besseres Packen lösen lässt. Man kann Kleidung für zehn Tage mitnehmen; für drei Wochen kann man es nicht. Irgendwann muss gewaschen werden, und dann entscheidet, was am Platz steht.
Weg eins: die Anlage am Platz
Größere Standorte verfügen über Waschmöglichkeiten oder eine Wäscherei, was die einfachste Variante ist; ob der Automat Chips oder Karte nimmt, hängt am Kassensystem des Platzes und damit an der Software, mit der er verwaltet wird. Zwei Dinge sind vorher zu klären: ob der Automat Münzen oder Chips nimmt. Chips gibt es nur an der Anmeldung, und die hat mittags oft zu, und ob ein Trockner dabei ist. Ohne Trockner verlagert sich das Problem nur auf die Leine.
An einigen Orten kann eventuell nur eine Mini-Waschmaschine vorhanden sein, und Sie müssen Ihr eigenes Pulver mitbringen. Größere Standorte halten Waschmittel als Portionsbeutel am Automaten vor, kleinere Plätze am Fluss meist nicht.
Weg zwei: die eigene kleine Maschine
Eine tragbare Maschine im Wohnmobil klingt verlockender, als sie ist. Sie braucht drei Dinge gleichzeitig: Frischwasser in ausreichender Menge, eine Steckdose mit genug Ampere und eine Fläche, auf der das Abwasser ordnungsgemäß abläuft. Am Fluss ist das letzte Kriterium das kritische: Grauwasser gehört in die Entsorgungsstation, nicht in die Wiese.
Wer die Bedingungen erfüllt, gewinnt Unabhängigkeit. Wer sie nicht erfüllt, transportiert fünfzehn Kilo Gerät durch Europa.
Weg drei: gar nicht waschen, sondern rotieren

Die unterschätzte Lösung. Wer Kleidung aus schnelltrocknendem Material wählt, kann abends ein einzelnes Teil im Waschbecken auswaschen und über Nacht trocknen lassen. Zwei T-Shirts im Wechsel ersetzen sechs, wenn das Material mitspielt: Baumwolle tut das nicht, Mischgewebe schon.
- Leine quer, nicht längs. Eine kurze Leine unter dem ausgefahrenen Vordach trocknet schneller als eine lange in der Sonne ohne Luftzug.
- Handtücher als Erstes. Sie brauchen am längsten und riechen am schnellsten.
- Nichts über Nacht draußen lassen. Am Fluss zieht Nebel, und morgens ist alles feuchter als abends.
Damit die Rotation aufgeht, braucht es allerdings die richtigen Teile. Merinowolle lässt sich drei bis vier Tage tragen, Kunstfaser trocknet am schnellsten und riecht am ehesten, Baumwolle ist angenehm und für dieses Verfahren unbrauchbar. Sie braucht am Fluss über Nacht schlicht zu lange.
Zwei Teile pro Person reichen dann für eine ganze Woche: eines am Körper, eines am Haken.
Trocknen: der Schritt, an dem es meistens scheitert
Waschen ist auf einer Wohnmobilreise das kleinere Problem. Das größere ist, das Nasse wieder trocken zu bekommen, ohne dass das Fahrzeug über Nacht beschlägt.
Draußen geht es schnell: eine kurze Leine zwischen Markisenarm und Baum, Wind von der Seite, und ein T-Shirt ist an einem normalen Sommertag am Fluss in zwei Stunden trocken. Entscheidend ist nicht die Sonne, sondern der Luftzug, im Schatten mit Wind trocknet es schneller als in der prallen Sonne ohne.
Drinnen dagegen wird es heikel. Vier feuchte Handtücher geben über Nacht rund einen Liter Wasser an die Luft ab; das schlägt sich an den kalten Fensterrahmen nieder und zieht bei mehreren Regentagen in die Polster. Wer drinnen trocknen muss, hängt möglichst wenig auf einmal auf, öffnet Dachluke und ein Fenster gegenüber und lässt den Durchzug arbeiten. Ganz ohne Lüftung ist es besser, die Wäsche eine Nacht nass im Sack zu lassen und am nächsten Vormittag draußen aufzuhängen.
Womit man wäscht, wenn das Wasser hart ist

Am Untermain ist das Leitungswasser mittelhart bis hart. Das hat zwei praktische Folgen, die man an der Wäsche merkt, bevor man sie an der Duschkabine sieht.
Erstens braucht Vollwaschmittel in hartem Wasser mehr Menge, um überhaupt zu wirken, was bei Handwäsche im Eimer regelmäßig unterschätzt wird. Zweitens bleibt genau dieses Mehr als Rückstand in der Faser, wenn nicht gründlich genug gespült wird, und macht Handtücher nach wenigen Wäschen steif. Wer im Eimer wäscht, spült deshalb zweimal, nicht einmal.
Am unkompliziertesten ist flüssiges Feinwaschmittel: es löst sich auch kalt vollständig auf und spült sich leichter aus als Pulver. Für den Wäschesack, der bis zum nächsten Platz mit Anlage warten muss, gilt die einfachste Regel überhaupt: trocken einpacken. Feuchte Wäsche im geschlossenen Sack riecht nach zwei Tagen so, dass jede Waschmaschine zweimal ran muss. Was sonst noch am Platz zur Routine gehört, steht in der Praxis-Checkliste.
Und ein Hinweis, der auf keinem Etikett steht: Seifenwasser gehört nicht in den Gully und nicht auf die Wiese, sondern in die Entsorgung für Grauwasser.
Der Wäscheplan, der eine Zweiwochenreise trägt
Wer vorher rechnet, wäscht unterwegs seltener. Die Rechnung ist simpel: pro Person und Tag ein Oberteil, alle zwei Tage eine Hose, plus Unterwäsche und Socken täglich. Für zwei Wochen zu zweit sind das rund dreißig Oberteile, oder zwölf und ein Waschgang in der Mitte.
Die zweite Stellschraube ist das Material. Ein Merino-Shirt lässt sich drei bis vier Tage tragen, ohne dass es auffällt, Baumwolle einen. Zwei Merino-Oberteile ersetzen damit sechs aus Baumwolle und sparen mehr Stauraum, als jede Packtechnik gewinnt.
Dritter Punkt: eine feste Etappe für den Waschgang. Am sinnvollsten ist der Platz mit Anlage ungefähr in der Mitte der Reise, dann ist die Maschine voll, und niemand wäscht halbe Trommeln. Welche Plätze am Untermain eine haben, steht in der Übersicht.
Häufige Fragen
Darf man Wäsche am Stellplatz aufhängen?
Auf der eigenen Parzelle in der Regel ja, an Bäumen oder Zäunen meist nicht. Die Platzordnung regelt das unterschiedlich; im Zweifel gilt: eine Leine am Fahrzeug ist unproblematisch, eine quer über den Weg nicht.
Wohin mit dem Waschwasser?
In die Entsorgungsstation für Grauwasser. Waschmittelhaltiges Wasser in die Wiese oder in den Fluss zu geben, ist unabhängig von der Menge nicht zulässig.
Wie viel Strom zieht eine kleine Waschmaschine?
Meist 300 bis 500 Watt ohne Heizung. An einer Säule mit 10 A / 2400 W ist das unkritisch, solange Heizung oder Wasserkocher nicht gleichzeitig laufen.
Lohnt sich ein Waschsalon unterwegs?
Ab etwa fünf Tagen ja. Eine Maschine im Ort kostet ungefähr so viel wie zwei Platzgebühren und erledigt in einer Stunde, wofür im Fahrzeug drei Tage Trocknungszeit draufgehen: Zeit, die auf einer Uferwiese im Hochsommer ohnehin knapp ist.
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