
Der Fluss
Der Main als Wasserstraße
Der Main, an dem hier gestanden wird, ist kein natürlicher Fluss mehr, sondern eine durchgehend staugeregelte Wasserstraße. Wer das einmal verstanden hat, liest den Pegel anders, hört die Nacht anders und weiß, warum die Uferwiese trotzdem überflutet.
Von der Mündung in den Rhein bis Bamberg sind es 384 Kilometer, und auf dieser Strecke liegen 34 Staustufen. Zwischen zwei davon ist der Main kein fließendes Gewässer im Wortsinn, sondern eine Haltung: ein Stück Fluss, dessen Wasserstand von einem Wehr gehalten wird. Das ist der Grund, warum er hier so breit, so ruhig und so gleichmäßig aussieht – und warum der Blick vom Platz am Ufer eher an einen langen See erinnert als an einen Mittelgebirgsfluss.
Die Kilometrierung, und warum sie flussaufwärts zählt
Alles am Main wird über den Main-Kilometer verortet. Gezählt wird von der Mündung aus: Kilometer 0 liegt dort, wo der Main in den Rhein geht, und die Zahl wächst flussaufwärts bis 384 in Bamberg. Eine höhere Zahl bedeutet also weiter landeinwärts, nicht weiter draußen.
Für die Orientierung ist das praktischer, als es klingt. Jede Schleuse, jedes Wehr, jeder Anleger und jede Hafeneinfahrt trägt eine solche Zahl, und wer zwei davon kennt, kennt die Entfernung. Der Abschnitt, um den es auf diesen Seiten geht, liegt zwischen rund Kilometer 78 und Kilometer 160 – gut achtzig Flusskilometer, in denen acht Staustufen stehen.
Die Staustufen dieses Abschnitts
| Staustufe | Main-km | in Betrieb seit |
|---|---|---|
| Kleinostheim | 77,91 | 1920 |
| Obernau | 93,04 | 1930 |
| Wallstadt | 101,20 | 1930 |
| Klingenberg | 113,05 | 1931 |
| Heubach | 122,36 | 1932 |
| Freudenberg | 133,95 | 1934 |
| Faulbach | 147,07 | 1935 |
| Eichel | 160,47 | 1937 |
Die Jahreszahlen sind kein Zufall: Der Untermain wurde in den 1920er- und 1930er-Jahren durchgehend kanalisiert, eine Staustufe nach der anderen, von der Mündung aufwärts. Die Staustufe Klingenberg entstand zwischen 1927 und 1931 als drittes dieser Bauwerke am Untermain, nach Obernau und Wallstadt. Was der Fluss davor war und wie das Ufer davor aussah, gehört in die Chronik.
Was so ein Bauwerk leistet
Eine Staustufe ist immer dasselbe Ensemble aus drei Teilen: Wehr, Schleuse, Kraftwerk. Am Beispiel Klingenberg, weil dort die Zahlen gut dokumentiert sind:
- Die Schleusenkammer ist 300,71 Meter lang und 12,05 Meter breit – das ist der Standard der Mainschleusen und der Grund, warum hier Schubverbände fahren können.
- Eine Bootsschleuse von 11,60 auf 2,50 Meter liegt daneben, für Sportboote und Kanus.
- Das Wehr hat drei Walzen, die bei Hochwasser aus dem Wasser gezogen werden. Dann ist die Haltung offen und der Fluss läuft frei durch.
- Das Kraftwerk arbeitet mit zwei Kaplan-Turbinen, 3,04 Megawatt Leistung und rund 18,6 Gigawattstunden im Jahr.
Die Haltung oberhalb reicht 9,31 Kilometer bis zur Schleuse Heubach; flussabwärts liegt die nächste Schleuse rund zwölf Kilometer entfernt bei Kleinwallstadt. Zwischen zwei Schleusen ist der Wasserstand also fast konstant – auch im Sommer, wenn ein unregulierter Fluss längst Kiesbänke zeigen würde.
Berufsschifffahrt vor dem Ufer

Die Fahrrinne liegt am Untermain oft nah am Ufer, und die Berufsschifffahrt fährt rund um die Uhr. Wer in der ersten Reihe am Wasser steht, hat den besseren Blick und die lautere Nacht: nicht die Motoren, sondern der Schwall, der ein paar Sekunden nach dem Schiff ans Ufer läuft. In der Platzübersicht steht deshalb bei jedem Platz, wo die erste Reihe endet.
Zwei Dinge folgen daraus für den Aufenthalt am Wasser. Erstens: Der Schwall erreicht flache Uferstellen mit Verzögerung und mit erstaunlicher Kraft – Angelzeug, Schuhe und Kinder gehören nicht in den Bereich, den er erreicht. Zweitens: Ein Schiff ist deutlich schneller da, als es aussieht. Ein Frachter, der am Gegenhang auftaucht, steht zwei Minuten später vor einem.
Pegel, Stau und Hochwasser
Reguliert heißt nicht hochwassersicher. Es heißt nur, dass der Normalfall eingestellt ist. Wenn im Spessart und im Odenwald länger Regen fällt, kommt mehr Wasser an, als die Haltungen abführen können; dann werden die Wehre geöffnet, der Stau fällt weg und der Fluss nimmt sich die Flächen, die dafür da sind. Dazu gehören die Uferwiesen, auf denen die Plätze liegen.
Die Pegelstände sind öffentlich: Die Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung und der Hochwassernachrichtendienst Bayern veröffentlichen sie fortlaufend für jede Messstelle. Wer im Winterhalbjahr an den Fluss fährt, schaut vorher darauf – was dann praktisch am Platz gilt, steht unter Stellplätze am Main.
Kurz gefasst

384 Kilometer, 34 Staustufen, und der Abschnitt hier trägt acht davon. Die Kilometer zählen von der Mündung aufwärts, die Schleusenkammern sind 300 Meter lang, der Pegel ist gemacht und nicht gewachsen – und genau deshalb sagt er bei Regen mehr als der Blick aus dem Fenster.
Häufige Fragen
Wie viele Schleusen hat der Main?
34 Staustufen auf 384 Kilometern zwischen der Mündung in den Rhein und Bamberg. Acht davon liegen im Abschnitt zwischen Kleinostheim und Wertheim.
Wo beginnt die Main-Kilometrierung?
An der Mündung in den Rhein bei Kilometer 0. Gezählt wird flussaufwärts, Bamberg liegt bei Kilometer 384. Die Staustufe Klingenberg steht bei Main-Kilometer 113,05.
Warum ist der Main hier so gleichmäßig breit?
Weil zwischen zwei Staustufen der Wasserstand von einem Wehr gehalten wird. Diese Haltungen sind mehrere Kilometer lang; bei Klingenberg reicht die obere 9,31 Kilometer bis zur Schleuse Heubach.
Kann ein regulierter Fluss überhaupt Hochwasser führen?
Ja. Bei anhaltendem Regen werden die Wehre geöffnet, der Stau entfällt und die Uferflächen laufen voll. Genau dafür sind sie da, und dort liegen die Plätze.
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