Ein Paar kräftige Wanderschuhe auf einer Steinmauer am Weinbergweg (mit AI erstelltes Bild)AI
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Ausrüstung

MBT-Schuhe zum Campen?

Schuhe mit gewölbter Abrollsohle sind für den Asphalt entwickelt. Auf einem Stellplatz ist der Boden aber Schotter, Wiese und nasse Metallstufe: drei Untergründe, auf die sie unterschiedlich gut passen.

Veröffentlicht: 04. Oktober 2018

Abrollsohlen sind auf dem Weg vom Platz in den Ort ein Sonderfall. Das Prinzip der Abrollsohle ist eine bewusst instabile Auflage: der Fuß rollt über eine gewölbte Sohle ab, die haltende Muskulatur arbeitet mehr. Auf ebenem Boden ist das der beabsichtigte Effekt. Auf unebenem Boden addiert sich die Instabilität der Sohle zur Instabilität des Untergrunds.

Wo sie funktionieren

Asphaltierter Uferweg, der unter Bäumen am Wasser entlangführt, eine Holzbank am Rand (mit AI erstelltes Bild)AI
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Der asphaltierte Uferweg ist die Strecke, für die eine Abrollsohle gebaut ist, und der einzige Abschnitt, auf dem sie sich am Fluss auszahlt.

Auf befestigten Wegen. Der Uferweg, die Ortsstraße, der asphaltierte Abschnitt des Radwegs. Dort tun sie genau das, wofür sie gebaut wurden, und sie sind bei längeren Strecken auf hartem Boden angenehmer als eine steife Sohle.

Als Platzschuh. Auf gemähter Wiese und auf dem Weg zum Sanitärhaus sind sie bequem, leicht anzuziehen und gut belüftet.

Bei längerem Stehen. Wer an der Anmeldung, am Herd oder bei der Entsorgung eine halbe Stunde auf einer Stelle steht, merkt den Unterschied zu einer flachen Sohle deutlich: Die leichte Instabilität zwingt zu kleinen Ausgleichsbewegungen, und genau die verhindern das Ermüdungsgefühl im Fuß.

Auf dem Weg in den Ort. Die Strecke vom Platz zum Bäcker, zur Apotheke oder in die Altstadt ist an dieser Uferstrecke fast immer asphaltiert und selten länger als zwei Kilometer. Das ist genau die Distanz und der Untergrund, für die der Schuh gebaut ist.

Drei Rollen also, und in allen dreien ist der Boden fest.

Wo sie an die Grenze kommen

  • Schotter. Die Wölbung liegt punktuell auf, der Fuß kippt. Auf gebrochenem Schotter ist das ermüdend und auf Dauer unsicher.
  • Weinbergstaffeln. Steile Stufen brauchen eine flache, greifende Sohle. Eine Wölbung reduziert die Kontaktfläche genau dort, wo sie gebraucht wird.
  • Nasse Metallstufe. Die Einstiegsstufe des Fahrzeugs ist der kritischste Punkt des ganzen Platzes, und eine gewölbte Sohle liegt darauf mit weniger Fläche auf.

Vor- und Nachteile im Überblick

Spricht dafürSpricht dagegen
Befestigter Wegbequem über längere Strecken–
Wiese am Platzleicht, luftig, schnell an–
Schotter–Fuß kippt, ermüdet schnell
Steile Stufen–zu wenig Kontaktfläche
Nasse Stufe–geringere Auflage, rutschanfällig

Das Fazit ist also kein Urteil, sondern eine Zuordnung, und es ergänzt die drei Paar für den Sommer: als zweites Paar für Platz und befestigte Wege gut, als einziges Paar für eine Reise am Untermain nicht ausreichend.

Eingewöhnung: warum die erste Woche unangenehm ist

Eine Abrollsohle verändert die Arbeit der Muskulatur, und der Körper meldet das. Wer sie zum ersten Mal trägt, spürt nach zwei Kilometern die Waden und nach einem Tag den unteren Rücken, das ist keine Fehlpassform, sondern die Umstellung.

Sinnvoll ist deshalb, sie schrittweise einzugehen: eine halbe Stunde am ersten Tag, eine Stunde am zweiten, nach einer Woche der ganze Nachmittag. Wer sie direkt für die erste Tagestour einer Reise auspackt, verbringt den Abend mit schmerzenden Waden und schreibt es dem Schuh zu.

Die Umstellung betrifft auch die Haltung. Die instabile Auflage zwingt zu einem aufrechteren Gang, weil der Körper sonst nach vorn kippt. Genau darin liegt der beworbene Nutzen, und genau deshalb ist der Schuh für jemanden, der ohnehin unsicher steht, die falsche Wahl. Wer nach einer Knieoperation, mit Gleichgewichtsproblemen oder mit einer Sprunggelenksinstabilität unterwegs ist, sollte vorher fragen und nicht ausprobieren.

Pflege und Haltbarkeit der Wölbung

Die gewölbte Sohle ist der teuerste Teil des Schuhs und der erste, der nachgibt. Sie besteht meist aus einem weichen Schaumkern unter einer dünnen Laufschicht, und der Schaum verliert seine Rückstellkraft, nicht durch Abrieb, sondern durch Alter und Dauerdruck.

Praktisch heißt das: Nach etwa 600 bis 800 Kilometern rollt der Schuh spürbar flacher ab, obwohl das Profil noch gut aussieht. Wer nach Profiltiefe geht, trägt ihn deutlich zu lange und hat dann einen normalen, nur ungewöhnlich hohen Schuh.

Zwei Dinge verlängern die Zeit bis dahin. Erstens: nicht dauerhaft in der prallen Sonne lagern – Wärme beschleunigt die Ermüdung des Schaums, und ein Wohnmobilfach hinter der Scheibe wird im Sommer sehr warm. Zweitens: nicht auf der Heizung trocknen, aus demselben Grund und weil die Klebeverbindung zur Laufsohle darunter leidet. Das gilt für jeden Reiseschuh, hier aber besonders. Wie sich die drei üblichen Paare aufteilen, steht unter Schuhe für den Sommer.

Was stattdessen funktioniert

Wer die beschriebene Wirkung sucht, aber die Nachteile auf Schotter und Staffel nicht will, hat zwei Alternativen, die auf derselben Strecke besser funktionieren.

Ein gedämpfter Trailschuh mit flacher, breiter Auflage und griffigem Profil nimmt dem Uferweg die Härte, ohne auf losem Untergrund zu kippen. Er ist der Schuh, der an dieser Strecke am meisten getragen wird, und er deckt Weg, Ort und Weinberg gleichermaßen ab.

Eine Einlage im vorhandenen Schuh löst das Problem oft billiger. Wer Beschwerden im Ballen oder in der Ferse hat, ändert damit die Druckverteilung, ohne die Standfläche aufzugeben.

Bleibt die Abrollsohle die Wahl, gehört sie in die Rolle, für die sie taugt: als zweiter Schuh für den Platz und die befestigte Strecke, nicht als einziges Paar im Fahrzeug.

Kurz gefasst

Abrollsohlen sind auf dieser Strecke kein schlechter Schuh, nur ein spezialisierter: gut auf dem asphaltierten Uferweg und am Platz, ungeeignet auf Schotter, Staffel und nasser Metallstufe. Wer sie einrechnet statt sich auf sie zu verlassen, hat ein brauchbares zweites Paar im Fach.

Häufige Fragen

Sind MBT-Schuhe für lange Wanderungen geeignet?

Auf befestigten Wegen ja, im Gelände nicht. Für eine Weinbergstaffel oder einen Waldweg braucht es eine flache, profilierte Sohle.

Ersetzen Abrollsohlen einen Wanderschuh?

Nein. Sie ersetzen bestenfalls den Straßenschuh. Der Wanderschuh bleibt der Schuh für den Weg.

Muss man sich an Abrollsohlen gewöhnen?

Ja, meist einige Tage. Genau deshalb gehören sie nicht neu ins Fahrzeug; die Umstellungsphase will man nicht am ersten Reisetag haben.

Taugen Abrollsohlen auf nassem Gras?

Nur bedingt. Die Wölbung setzt einen festen Untergrund voraus; auf nasser Uferwiese kippt der Fuß seitlich weg, weil die Auflagefläche klein ist. Für den Platz selbst sind sie deshalb Schönwetterschuhe.